Multifunktionsgebäude - Game-Changer nicht nur für Fußballer

von Tim Decker

TSV-Athleten sammeln Wettkampferfahrung bei Hyrox, Hyrox Youngstars und Deadly Dozen – und wollen sie bald im Verein weitergeben

Weltmeisterschaft in Stockholm, Altersklassensieg beim Deadly Dozen, ein Neunjähriger unter den Top 10 in Maastricht: Beim TSV Großenkneten hat sich eine kleine Trendsport-Szene gebildet. Mit dem geplanten Multifunktionsgebäude in der ExxonMobil Arena soll aus privatem Training ein Angebot für den ganzen Verein werden – für Jung und Alt.

Am Donnerstag, den 18. Juni, standen Tim Decker und Marco Hilke im einheitlichen Deutschland-Trikot in der Strawberry Arena von Stockholm – beim Einlauf der Nationen zur Hyrox-Weltmeisterschaft. Der TSV-Athlet und der ehemalige TSV-Fußballer (2005 bis 2007) starteten im Pro Double der Altersklasse 40-44 zwischen Teams aus aller Welt. Am Ende stand ein 58. Platz von 108 Teams, solides Mittelfeld der Weltspitze. Wie es dazu kam, hat viel mit einem Pionier aus unseren Reihen zu tun. Und wie es weitergehen soll, viel mit einem Gebäude. Doch der Reihe nach.

Einlauf der Nationen bei der Hyrox-WM in Stockholm: Tim Decker und Marco Hilke im Hyrox-Deutschland-Dress

Ein Pionier aus Großenkneten

Hyrox ist ein Fitness-Wettkampf, bei dem sich acht Kilometer Laufen mit acht Kraft- und Ausdauerstationen abwechseln – ohne Pause. Dass dieser Sport in Großenkneten überhaupt angekommen ist, verdanken wir Florian Jaedicke. 2023 ging er in Hannover als erster TSV-Athlet an den Start, ein Rennen aus dem Stand, kaum spezifisch vorbereitet. Danach war es um ihn geschehen – und bald auch um seine Schul- und Fußballfreunde Tim Decker und Marco Hilke, die er mit dem Hyrox-Fieber ansteckte. Inzwischen kommt das Trio auf über 70 Starts in 16 Städten und 7 Ländern, mit mehreren Podestplätzen in der Altersklasse, zuletzt in Köln und Heerenveen. Florian ist mit 27 Rennen der Erfahrenste; mit ihm holte Tim Decker 2025 in Heerenveen den ersten Treppchenplatz.

Längst sind die drei nicht mehr allein. Beim jüngsten Rennen in Maastricht lief Tim Decker im Double mit seinem Freund Tim Lachmund, Hausarzt in Huntlosen. Und mit Lukas Dalichau, Julian Hogeback, Tarek Oltmann, Marek Horand, Torben Backhus, dem ehemaligen TSV-Fußballer Eike Lüers und Amira Decker haben weitere Sportlerinnen und Sportler aus unseren Reihen bereits Rennen bestritten oder stehen in den Startlöchern.

Das Trio, mit dem alles begann: Marco Hilke, Florian Jaedicke und Tim Decker

Die „Schlaffis“ auf WM-Kurs

Deadly Dozen ist der britische Verwandte von Hyrox: zwölf 400-Meter-Runden auf der Laufbahn, nach jeder Runde eine Kraftstation – ein Format, das in Deutschland gerade Fuß fasst. Beim Rennen in Bottrop im August gewannen Marco Hilke und Tim Decker die Altersklasse 40-44 und wurden Zweite von 48 Paaren insgesamt, mit der bislang schnellsten Zeit ihrer Altersklasse bei einem Deadly Dozen in Deutschland. Ihr Teamname „Schlaffis“ ist Programm: Zwei Durchschnittsmuskulierte, die von den Kraftprotzen am Start gern übersehen werden – bis es losgeht ;-)

Mit dieser Zeit stehen die Schlaffis aktuell auf einem direkten Qualifikationsplatz für die Deadly-Dozen-Weltmeisterschaft im September 2027 im Alexander Stadium von Birmingham, wo in diesem Sommer die Leichtathletik-Europameisterschaft stattfand. Ganz sicher ist der Platz noch nicht, deshalb wollen die beiden im April in Köln noch einmal nachlegen.

Der Nachwuchs ist schon da

Dass Trendsport kein reines Erwachsenenthema ist, zeigt Jonas Decker. Bei der Weltpremiere der Hyrox Youngstars im Januar in Amsterdam stand er in der allerersten Startwelle – er hat das Kinderformat quasi mit aus der Taufe gehoben. Im September in Maastricht wurde er Neunter von 97 in der Altersklasse 8–9, sein Freund Leopold vom FC Huntlosen kam auf Rang 40. Bei Jonas gehört Hyrox inzwischen zum Verabreden dazu wie das Bolzen: rund 15 Minuten Laufen und Stationen, das volle Programm der Erwachsenen im Kinderformat. Wer sehen will, wie das aussieht: Das ntv-Magazin hat Hyrox, Youngstars und Deadly Dozen in einem Beitrag vorgestellt [Link: https://www.youtube.com/watch?v=df6veUpBwok] – bei Minute 2:02 und 2:04 huscht ein rosa Deutschland-Trikot aus Großenkneten durchs Bild :-)

Der Game-Changer

All diese Erfahrung hat einen Haken: Trainiert wird bisher privat, mit eigenem Material, mal hier, mal dort. Das soll sich ändern. Der Rat der Gemeinde hat im Juni einstimmig den Grundsatzbeschluss für unser Multifunktionsgebäude direkt neben der Tribüne der ExxonMobil Arena gefasst, der Baustart ist für 2027 geplant. Der TSV wird unterstützt von der Gemeinde, dem Landkreis sowie dem Landessportbund, muss dabei aber auch einen erheblichen Teil in Eigenleistung und mit eigenen Mitteln einbringen.

Umkleiden, Toiletten und Küche kommen zuerst den Fußballern zugute – aber eben nicht nur ihnen. Das Gebäude bekommt einen Lagerraum, in dem Kettlebells, Hanteln, Gewichtsscheiben und irgendwann vielleicht ein Gewichtsschlitten ihren Platz finden. Damit liegt das Trainingsmaterial unmittelbar an der Laufbahn, und ein Deadly Dozen lässt sich eins zu eins vor Ort trainieren, unkompliziert und zeiteffektiv. Dazu kommt, was jeder Sportler kennt: Die Kabine ist ein heiliger Ort. Dort trifft man sich, dort entsteht beim Umziehen ein Wir-Gefühl, das keine WhatsApp-Gruppe ersetzen kann.

Für den TSV ist dieses Gebäude ein echter Game-Changer. Es schlägt die Tür auf für Kurse, die es bisher nicht geben kann: für Kinder und Erwachsene, für Leichtathleten und Fußballer, für Mitglieder, die derzeit nur passiv dabei sind, und für alle, die sich einfach einmal ausprobieren wollen. Unsere Athleten würden ihre Wettkampferfahrung gern weitergeben, sobald die Geräte dafür da sind. Eine Warnung sei erlaubt: Wer diese Sportarten einmal probiert hat, kommt so schnell nicht wieder davon los. Es ist fast wie eine Droge – aber eine ziemlich gesunde. Wer jetzt schon Lust bekommen hat, darf Tim Decker gern ansprechen.

Zurück